


5 Titel sind auf der CD mit dem Titel „Respekt“ zu hören, stilistisch alle sehr unterschiedlich. Hörenswerte Liedtexte.
Mein Job war, die Songs zu arrangieren, aufzunehmen, zu mischen und zu mastern.
Eine Fotosession für das CD Cover kam noch hinzu.
Eine gelungene Produktion.
Von Thorsten Wolf, © Saarbrücker Zeitung
Beim Wort Liedermacher zuckt so mancher zügig zusammen. Schnell formt sich vor dem inneren Auge eine Collage aus Strickjacke, Birkenstock, erhobenem Zeigefinger und stoischen Akustikgitarren-Einerlei. Die aktuelle Produktion „Respekt“ von Andreas Vogel beweist aber in fünf wunderbaren Stücken, dass Liedermacher im besten Sinne ein echtes Qualitätsmerkmal sein kann – wenn man es so anstellt, wie es Vogel mit seinem Werk gelungen ist.
Was einem nach einem ersten Durchhören auffällt, ist die akustisch üppige Produktion des Blaufabrik-Tonstudios aus Sulzbach. Für die hat Vogel allerdings auch ein reichhaltiges Portfolio an Musikfarben geliefert. Das ist der zweite Eindruck, nachdem das letzte der fünf Lieder im Ohr verhallt: Langweilig wird einem nicht, selbst dann, wenn man nicht auf jede Textzeile hört. Mit am deutlichsten wird das bei „Die Schlucht des Vergessens“. Inhaltlich setzt sich Vogel hier mit dem Thema „Demenz“ auseinander. Nimmt einen schon der Text wirklich mit, ist es auch die Instrumentierung, die beeindruckt und unglaublich modern wirkt: Neben Andreas Vogel mit Gesang, Gitarre und Mundharmonika selbst, Sebastian Dingler am Bass, Sascha Waack am Schlagzeug und Bernhard Wittmann an den Tasten, bereichern Christine Rauh am Cello und Yan Vogel an der E-Gitarre einen Song, der weit über das klassische Genre des Liedermachers hinausgeht. Und wer ab Minute drei keine Gänsehaut bekommt, der sollte den Neurologen seines Vertrauens aufsuchen.
Nun neigten Liedermacher in der Vergangenheit nicht selten dazu, der Zuhörerschaft gern den moralischen Zeigefinger vorzuhalten und sich im schmalen Instrumentenkleid und wortgewandt zum Besser-Menschen zu erklären. Davon ist Andreas Vogel so weit entfernt wie die Erde vom Mars. In seinen Texten greift er mit feinem Blick Alltägliches auf – um mit gutem Gespür zu vermitteln, dass eben diesem Alltäglichem oft auch Tragisches innewohnt. „Ich könnt noch von vielem singen, so wie von der alten Frau, die an ihrem Fenster sitzt und in die Ferne sieht, und der‘s egal ist, welcher Tag und welche Uhrzeit es ist, der‘s egal geworden, was um sie herum geschieht“, singt Vogel in „Nicht tot sein heißt noch lange nicht zu leben“.
Musikalisch und inhaltlich geht Vogel im fünften Track der EP, „Ende der Saison“, mit dem Thema Abschied um. Eher ein Uptempo-Blues beschreibt der Liedermacher aus Schwarzenacker die letzten Tage der Badesaison an einem Urlaubsort. So was kennt man schon aus dem legendären Track „Boys of Summer“. Doch während dessen Schöpfer Don Henley auf massive Melancholie setzt, gelingt es Vogel, betrachtet man den Text abstrahiert, einem Abschied nicht nur Trauer abzugewinnen, sondern ihn in den Wechsel aus wiederkehrenden Hochs und Tiefs einzuordnen. Hier mit an Bord: Magali Vogel als Background-Stimme.
Zieht man nach fünf Tracks ein Fazit zu Andreas Vogels EP, dann ist es dieses: musikalisch abwechslungsreich, hoch-professionell, textlich fest geerdet und einfach ein rundes Ding. Und das verdient vor allem eines – viel, viel „Respekt“.